Blaubeeren im fernen Norden

Desmond Kabus

2019-11-11 14:55 UTC+13

Finally, I am earning some money to fund my holiday in New Zealand by picking and packing blueberries!

Endlich mache ich einen Gewinn bei meinem Working Holiday in Neuseeland! Seit dem 25. Oktober bin ich jetzt hier in Pukenui, einem kleinen Örtchen im Nördlichsten Norden der Nordinsel Neuseelands zum Blaubeeren-Pflücken. Ursprünglich war der Plan auf einer Avocadofarm Bäume anzupflanzen. Jemand, der aber keine Lust auf das ständige Bücken bei den Blaubeeren hatte, hat dann mit mir aber den Job gewechselt.

Die Blaubeerfarm
Bei der Arbeit…

In der ersten Woche ging es wegen Regen nur sehr langsam los, denn wir arbeiten sieben Tage die Woche, solange es nicht oder nur kaum regnet. Manche Blaubeerfarmen haben Gewächshäuser, sodass sie nicht so stark vom Wetter abhängen. Wenn wir aber arbeiten, dann so viele Stunden wie möglich. Am ersten Zahltag waren es dann 45 Stunden je $20 an insgesamt sechs richtigen Arbeitstagen. Als das Gehalt auf meinem NZ-Bankkonto angekommen war, habe ich mir dann als Belohnung ein tolles langärmliges T-Shirt mit UV-Schutz bestellt, was aber auch bitter nötig war, da wir in der prallen Sommersonne arbeiten, die in Neuseeland wegen der klaren Luft, dem Ozonloch und der elliptischen Bahn der Erde um die Sonne so stark ist, wie nirgends sonst in der Welt. Permanent Sonnencreme aufzutragen wird da leider sehr schnell sehr nervig.

Nur die großen, reifen Beeren pflücken!

Meist laufen die Tage so ab, dass wir um 08:30 vom Hostel mit möglichst wenigen Autos zehn Minuten zur sehr kleinen Far North Blueberries Farm von Debbie und Graham fahren, wo dann meist bis 15:00 die größten, reifsten Beeren gepflückt werden. Anschließend werden die Beeren auf ein Fließband gegossen, die schlechten aussortiert, die in den Sammelkörben gelandet sind, und die guten von der Maschine in kleine Plastikschälchen je 125g gefüllt, die dann in Kartons auf einer Palette gestapelt werden. An guten Tagen machen wir zwei Paletten, also 3456 Schälchen.

An der Packmaschine arbeiten wir konzentriert bis zu 2h lang
Der Pausenbereich der Farm
Ein Festmahl auf Kosten der Bosse

Im Vergleich zu den anderen Jobs haben wir wirklich Glück gehabt: In der täglichen 45min langen Mittagspause gibt es ungefähr einmal die Woche Essen von unseren Bossen, am ersten Wochenende einen leckeren Eintopf mit Rindfleisch und Kartoffeln, und am zweiten Wochenende selbstgefangenen und selbstgeräucherten Schwertfisch und danach selbstgefangenen, frittierten Schnapper als Burger mit dazu Pommes. Debbie ist immer gut gelaunt und freundlich, Graham ist manchmal etwas strenger, macht aber permanent mehr oder weniger gute Witze. Wir können dort ansonsten sogar unsere Wäsche machen oder duschen, was für die langhaarigen Mädels besonders nett ist, da die Dusche im Hostel auf fünf Minuten zeitbegrenzt ist…

Das Hostel, oder genauer der Pukenui Holiday Park, ist schon etwas speziell. Es ist etwas günstiger und schlechter ausgestattet als die meisten Hostels und die meisten Leute, die dort bleiben arbeiten entweder in der Gegend oder sind auf der Durchreise. Die Küche ist etwas zu klein, alles ist immer etwas schmutzig, aber die Stimmung ist immer gut. Abends gibt es häufig Mean Feeds (also gemeine Fütterungen, wie man im Kiwi-Slang sagt) mit frischem gegrillten Fisch, wobei sich alle angeregt unterhalten. Diejenigen, die am nächsten Tag frei haben, oder einfach noch nicht müde sind, ziehen um 22:00 auf die Sofas im Billard-Raum um, in dem auch Tischtennis gespielt oder laut Musik gehört werden kann. Das Internet im Camp ist extrem schlecht, sowohl das WLAN, als auch der mobile Empfang, was aber gut tut, da man daher weniger im Internet ist.

Pukenui ist ein kleiner Ort am Highway 1 in Nord-Süd-Richtung, der einzigen richtigen Straße im Norden, von der ein paar Kieswege nach Osten und Westen abgehen. Und mit klein meine ich auch wirklich klein: Es gibt einen kleinen, teuren 4Square Supermarkt, einen Pub der um 19:00 schließt und einen Anleger. Mit dem Auto braucht man eine Stunde zum nächsten richtigen Supermarkt, Pak’nSave, in Kaitaia, dort gibt es dann aber alles, was man braucht.

Fischen am Anleger von Pukenui
Freihändig!
Ein Fischkutter mit der Flagge der Maori

Die Freizeit verbringe ich relativ häufig am Anleger, dem Pukenui wharf, wo man Schwimmen oder Angeln kann, was ich mir von ein paar Freunden aus dem Hostel beibringen lasse.

Wenn es sich anbietet, mache ich mit den Leuten Ausflüge. Mit zwei Vans ging es zum Beispiel einmal ganz in den Norden. Auf den Dünen, die mir vorkamen wie eine Wüste, waren wir Sandboarden, was so wie Schlittenfahren ist, nur wärmer und sanfter. Danach haben wir an der malerischen Tauputoputo Bay zu Mittag gegessen und uns das touristisch total überlaufene Cape Reinga angesehen. Dort soll man sehen, wie die Tasmanische See sich mit dem Pazifischen Ozean verwirbelt. Dass das Blödsinn ist, da es sich dabei nur um eine Sandbank handelt, die die Wellen bricht, verrate ich mal niemandem…

Zwei typische Backpacker-Campervans
Highway One
Zwei Ozeane “vermischen” sich an Cape Reinga
Obligatorisches Selfie am Leuchtturm am Cape Reinga

Eine Mondlandschaft bei Henderson Bay, die bei Flut unter Wasser liegt, habe ich mir mit ein paar Leuten vom Hostel angesehen. Davon stand nirgends was in Reiseführern, wir haben das selbst entdeckt, was es besonders gemacht hat.

Ein kleines Abenteuer bei Henderson Bay
So ähnlich sieht es auf dem Mond aus…
Ein Gezeitenteich voller Meerespflanzen

Mit der Blaubeeren-Crew der ersten Woche, habe ich einen Strandtag an Spirits Bay verbracht: Ein wunderschöner Sandstrand, mit tollem Sand, tollen Wellen und einem tollen Ausblick auf ein Gebiet, das Tapu ist. Der heiliger Grund, von dem die Geister der Maori das Land verlassen, darf von Menschen aus spirituellen Gründen nicht betreten werden. Dafür leben dort aber einige wilde Pferde. Wir haben dort sogar ein bisschen Rugby gelernt!

Ein kleines Rugby-Spiel
Strandwanderung auf Spirits Bay
Ich bin immer noch genauso weiß wie der Sand…

Bis die Blaubeer-Saison vorbei ist, wird es wohl so ähnlich weitergehen. Es ist hier auf dem Land alles etwas ruhiger, es gibt aber immer etwas nettes zu tun.